Interview mit Fritz Tröger zu seiner Nepal Reise
Interview mit Fritz Tröger zu seiner Nepal Reise

Wie berichtet will Fritz Tröger, Optiker Tröger aus Memmingen in Zusammenarbeit mit Vision for the World in Nepal vor Ort in Nepal persönlich helfen.  Herr Tröger beabsichtigte zu diesem Zweck, in den Bergdörfern des Himalayas Brillen an sehbehinderte und hilfsbedürftige Kinder und Erwachsene zu übergeben.

Frage:

Herr Tröger, bevor Sie nach Nepal flogen haben Sie Monate vorher in Ihrem Geschäft eine Aktion geplant, um Ihre Kunden und die interessierte Bevölkerung in Memmingen auf Ihre Nepal-Aktion einzustimmen. Was haben Sie genau gemacht und wie war der Erfolg der Aktion?

Tröger:
Wir haben sogar ein Jahr vorher ein Inserat in der Zeitung geschaltet, indem wir auf unsere Aktion aufmerksam gemacht haben. Wir baten in diesem Inserat um ungenutzte oder alte Brillen für Nepal. Für jede Brille haben wir einen Gutschein von 5 bis 20 Euro angeboten. Erfreulich in diesem Zusammenhang war, dass die meisten Spender den Betrag der Gutscheine wieder direkt zurück gespendet haben. Einige haben sogar noch extra etwas in die Spendenbox gegeben. Insgesamt waren die zahlreichen Leute erfreut, dass sie etwas abgeben konnten, was sie selbst nicht mehr benötigten. So konnten sie Menschen in Nepal helfen, die ihre Brillen dringend brauchen. Im Übrigen, noch ein Jahr nach der Aktion erhalten wir noch regelmäßig von unseren Kunden ihre nicht mehr gebrauchten Brillen und informieren sich über unsere Aktion.

Frage:
Im Oktober 2015 sind Sie dann nach Nepal geflogen. Was hatten Sie alles im Gepäck, um vor Ort rasch helfen zu können?

Tröger:
In meinem Reisegepäck  hatte ich einen Ski-Sack mit circa 700 beschrifteten Brillen. Darüber hinaus  einen kleinen Rucksack mit einer Messbrille, den Messgläsern, zwei Messgeräten und noch anderem  ophthalmologischen Equipment. Natürlich hatte ich noch einen Rucksack mit etwas Kleidung, einer Kamera, einem Buch und einiges an Süßigkeiten, an denen sich viele Kinder in Nepal erfreuen sollten, die eher selten oder niemals in solch einen Genuss kommen.

Frage:
Welche Orte und welche Bergdörfer haben Sie besucht und was haben Sie dort erlebt? Konnten Sie neben dem Verteilen der Brillen auch sonst noch helfen? Konnten Sie auch die Auswirkungen des schweren Erdbebens vor Ort sehen?

Tröger:
Mein „Guide“ Rinji Sherpa, der schon häufig Vision for the World vor Ort unterstützt hat, und ich sind nach einem Tag in Kathmandu nach Lukla, einem Gebirgsflughafen, geflogen und entgegengesetzt der Everest-Touristen Richtung nach Kharikhola gelaufen. Die Namen der einzelnen kleinen Dörfer wusste ich nicht, aber die Spuren des Erdbebens waren hier vor Ort regelmäßig zu sehen. Zum Beispiel Menschen, die in verstärkt in Zelten lebten, ihre Hütten wieder aufbauten oder abbauten, weil sie einsturzgefährdet waren. Oder einfach mit den Rissen in ihren vier Wänden weiter lebten. Nach der Zwei-Tages-Tour verblieben wir in Kharikhola, einem Dorf, das trotz internationaler Hilfe sehr verarmt ist. Beim Besuch des örtlichen Klosters wurde ich dem Lama vorgestellt, der mir die „Behausung“ seiner 6 bis 14 Jahre alten Mönchs-Schüler zeigte. Die 15 Schüler teilten sich acht Essgeschirre und schliefen in einer bröckligen Baracke auf Holzbetten und Holzbänken mit einer Filzdecke. Geschirr und Betten hatten wir natürlich nicht in unserem Rucksack, aber ich gab das dringend benötigte Geld in die Hände des Lehrers, der dann den Transport der benötigten Waren aus Kathmandu organisierte. Ähnlich war der Zustand im örtlichen „Krankenhaus“. Dort habe ich zwei Personen, sogenannte Medical Assistance, das Vermessen der Augen von Patienten gezeigt und das frühzeitige Erkennen von Augenerkrankungen, bei denen ein Arzt benötigt wird, erläutert. Das Messwerkzeug und die restlichen circa 100-200 Brillen haben wir am Ende den Medical Assistance übergeben. Danach sind wir zwei Tage weiter gelaufen nach Phaplu. Von dort hat uns ein Flieger zurück nach Kathmandu gebracht. In Kathmandu übergaben wir Prof. Malla einige Untersuchungsinstrumente und einer Helferin des CFO-Kinderdorfes eine Tasche voller Kinderbrillen. In der Hauptstadt Nepals sind vor allem die Spuren des schrecklichen Erdbebens noch immer allgegenwärtig und auch die politisch komplizierte Situation ist stetig spürbar.

Frage:
Wie fällt Ihr Fazit der Reise nach Nepal aus? Wie vielen Menschen in Nepal konnten Sie konkret helfen? An welchen Kriterien würden Sie den Erfolg Ihrer Reise festmachen?
Wir alle sollten für die ärmsten der Armen noch mehr tun, so lautet das Fazit meiner Reise nach Nepal.  Sachen,  die in unserer westlichen Welt verhältnismäßig nur noch wenig Wert haben und wir eigentlich nicht mehr benötigen, können in anderen Regionen der Welt eine große Hilfe darstellen. Natürlich brauchen die Menschen in Nepal dort Häuser, sauberes Wasser, Strom und Benzin dringender als Brillen, aber wenn jeder das hergibt, was er nicht mehr braucht. Oder wenn jemand  besondere Kenntnisse hat und diese anderen vermittelt, kann man das Leben anderer Menschen in Nepal verbessern.


Tröger:
Wir haben nicht genau gezählt, aber wir haben 100 neuwertige Kindersonnenbrillen, rund 200 Lesebrillen, 250-270 Fernbrillen und 50-70 Sonnenbrillen den Menschen übergeben. Mit dem Equipment für Augenmessungen und -untersuchungen können nun in Kharikhola Sehfehler gemessen werden und Prof. Malla von der Universität Kathmandu hat nun mehr Möglichkeiten, seine Studenten zu unterrichten und Patienten zu behandeln. Besonders freue ich mich, dass auch die 20 Betten und das Kochgeschirr im Kloster angekommen sind. Darüber hinaus bin ich erfreut über das positive Feedback der Menschen zuhause, die wir hoffentlich animieren konnten, selbst über soziale Projekte und soziales Engagement nach zu denken, zu spenden oder auch das wunderschöne Nepal zu bereisen. Denn der Tourismus ist nach wie vor die einzige nennenswerte Einnahmequelle Nepals.

Frage:
Würden Sie diese humanitäre Aktion zukünftig noch mal wiederholen? Oder wäre es ein interessantes Beispiel für andere Optiker in Deutschland, sich persönlich in Nepal in dieser Weise zu engagieren?  

Tröger:
Ich werde bestimmt wieder nach Nepal reisen, um hoffentlich positive Veränderungen in dem Land zu sehen. Auch möchte ich mit meinen Erfahrungen, Fehlsichtigen zu helfen und eine Brille diesen Menschen zu übergeben, andere Optiker motivieren. Ich empfehle auf jedem Fall Optikern, aber auch jedem anderen, der Interesse und die Möglichkeit hat, sich bei humanitären Organisationen zu informieren und seinen Beruf mal in einem armen Land auszuüben. Man erhält nicht nur einen neuen Blickwinkel für sich selbst, sondern man hilft den Menschen direkt so zum Beispiel durch die Übergabe von Brillen und durch die Weitergabe von Wissen. Wir werden auch demnächst  versuchen, zwei Nepalesen, die dort in einer „Optical-Unit“ arbeiten, einige Monate in Deutschland zu unterrichten, damit diese nach ihrer Rückkehr in Nepal weiteren Menschen helfen und ihr Wissen weitergeben können.