Interview mit Brigitte Nachtmann-Leitl über ihren dritten Aufenthalt in Nepal

Im Frühsommer 2012 fragte der deutsche Augenarzt Dr. Albrecht Henning nach, ob ein deutscher Optiker oder eine Optikerin in seinen Kliniken Lahan und Biratnagar die Optiker vor Ort durch modernes know how weiterbilden könne.

Mit dem Fürther Unternehmen uvex konnte Vision for the World eine sehr schnelle und eine sehr gute Lösung erreichen. Frau Brigitte Nachtmann-Leitl von uvex flog für zwei Wochen nach Nepal und bildete in den zwei nepalesischen Krankenhäusern die Optiker aus.

Bereits im Juli 2013 reiste Frau Nachtmann-Leitl erneut für zwei Wochen nach Nepal, um ihre erfolgreiche Arbeit fortzusetzen. Auch In diesem Jahr konnte sie dank der Unterstützung von uvex wieder nach Nepal reisen, um die Optiker vor Ort weiterzubilden:

Redaktion:
Frau Nachtmann-Leitl, Sie waren seit 2012 inzwischen zum dritten Mal in Nepal. Welche Aspekte standen bei Ihrem diesjährigen Aufenthalt im Vordergrund Ihrer Tätigkeit?

Brigitte Nachtmann-Leitl:
In diesem Jahr stand die Kontrolle und Vertiefung des bisher vermittelten Wissens im Vordergrund.

Redaktion:
Welche Erfolge Ihrer Wissensvermittlung haben sich in den letzten drei Jahren ergeben? Wurden Ihre Hilfen und Empfehlungen umgesetzt?

Brigitte Nachtmann-Leitl:
Nach der Rückkehr meiner Optiker Kollegin Isabella Kaiser hatte ich die schlimmsten Befürchtungen. Ihre Berichte über den Wissensstand waren alles andere als ermutigend. Als ich jedoch in diesem Jahr in Nepal ankam, konnte ich erleichtert feststellen, dass doch nicht alles vergessen war. Die meisten Grundbegriffe, wie zum Beispiel das Messen der Pupillendistanz, waren noch vorhanden. Auch die Techniken waren noch geläufig. Sie wurden allerdings nicht konsequent umgesetzt, weil die Mitarbeiter der optical units extrem unter Druck stehen. 200 Brillen am Tag sind eine ziemliche Herausforderung.

Redaktion:
Haben sich nachhaltige Verbesserungen in der Herstellung von Brillen und Linsen ergeben? Wie ist die Nachsorge der Brillenträger gewährleistet?

Brigitte Nachtmann-Leitl:
Durch den Einsatz des Scheitelbrechwertmessers werden nun wirklich die richtigen Glasstärken eingebaut. Dadurch wird auch die Zentrierung deutlich verbessert. Was die Glasbearbeitung betrifft, führten die Anschaffung und der Einsatz des neuen Schleifautomaten dazu, dass die Passform der Gläser nun eine gleich bleibende Qualität aufweist. Nach wie vor schwierig gestaltet sich die Nachsorge der Brillenträger, weil es noch immer an wichtigen Ersatzteilen fehlt. Wir hoffen, dass wir  mit dem gemeinsamen Besuch der Optikmesse in New Delhi im Februar 2015 eine lokale Versorgungskette aufbauen können.

Redaktion:
Sollte das erfolgreiche Projekt weiter fortgesetzt werden? Welche Trainingsinhalte sollten zukünftig den nepalesischen Optikern weiter vermittelt werden?

Brigitte Nachtmann-Leitl:
Eine Fortsetzung des Projekts sollte darauf abzielen, das bisherige Wissen zu vertiefen, vor allem dahingehend, dass das Wissen selbsttätig in die Praxis umgesetzt werden kann. Und dies dauerhaft. Dazu sollte nach meinen Vorstellungen künftig ein Verantwortlicher intensiver geschult werden, der dann sein Wissen seinen Kollegen immer wieder weiter vermitteln kann. Auch das Arbeiten mit dem Schleifautomaten sollte vertieft werden und natürlich die bisher gelernten Grundkenntnisse der Brillenzentrierung.
Weiterhin ergab sich aus verschiedenen Gesprächen, dass es überaus sinnvoll wäre, langfristig eine umfassende praxisorientierte Optiker-Ausbildung, ähnlich der in Deutschland, für Nepal zu initiieren. Dieses wäre sicherlich ein Meilenstein im Rahmen unserer „Hilfe zur Selbsthilfe“.